Elfenfigur links

Feenfeuer

Schamanische Pfade mit den Elfen

Elfenfigur rechts

Die Elfen – Mittler zwischen Mutter Erde und den Menschen

Naturgeister

Alles ist beseelt

Elfen sind nicht einfach Naturgeister. Naturgeister sind die Seelen von Pflanzen, Bäumen, Steinen und Orten – sie wachen über Wachstum, Verfall, Fruchtbarkeit und Wandlung. Es gibt Geister, die das Aufblühen des Frühlings begleiten, und solche, die sich um Verrottung und andere Abbauprozesse kümmern wie es beispielsweise die Pilzvölker machen. Auch die Hüter eines Waldes oder einer Quelle gehören zu diesen Kräften. Selbst Krankheitsgeister sind, so unbequem sie uns erscheinen mögen, Teil dieses großen Geflechts der Natur.

Die Elfen und Feen, wie wir sie heute kennen, sind dagegen ein vergleichsweise junges Volk. Ihr Ursprung liegt in jener Zeit, in der das Christentum zur Staatsreligion wurde und Herrscher erkannten, wie gut sich diese neue Lehre als Machtinstrument nutzen ließ. Demut, Gehorsam und die Angst vor ewiger Verdammnis wurden zu Druckmitteln, um Menschen zu lenken. Damit einher ging die systematische Zerstörung der alten heiligen Orte: Haine, Quellen und Steine wurden entweiht, Kultgegenstände zerschlagen und an vielen dieser Plätze Kirchen oder Kreuze errichtet.

Für die Natur- und Ortsgeister war das ein traumatischer Eingriff. Wer jemals wirklich mit einem Ort oder einem Feuergeist in Kontakt war, ahnt, was das bedeutet. In der katholischen Osternacht etwa wird das Feuer exorziert und Christus geweiht – aber was geschieht mit dem Wesen des Feuers, wenn es einerseits gebannt wird, die Flamme aber weiter brennt? Der Feuergeist ist das Feuer. und kann, trotz Befehl des Geistlichen, nicht gehen, weil das physische Feuer am leben erhalten wird. Da wird doch jeder (Geist) ärgerlich.

Um den Kontakt zu den Menschen nicht völlig zu verlieren, beschlossen schließlich einige Naturgeistervölker – in Absprache mit Mutter Erde –, sich kulturell den Menschen anzunähern. Sie nahmen menschenähnliche Gestalt an und begannen, das Leben der Menschen zu beobachten, zu kopieren, für sich zu verbessern und gaben diese Weiterentwicklungen (beispielsweise Heiliges Königtum - das war ganz anders gedacht als es dann später praktiziert worden ist) den Menschen weiter. So entstanden jene Wesen, die wir heute Elfen, Feen, Zwerge oder Wichtel nennen.

Manche Naturgeister gingen noch weiter und inkarnieren seither in menschlichen Körpern, um direkt mit den Menschen zu sprechen und die Verhältnisse „von innen“ zu verstehen. In Märchen – insbesondere in den Geschichten über Wechselbälger – klingen diese Erinnerungen noch nach, wenn auch stark verzerrt durch die christliche Deutung.

Die Elfen zogen sich mehr und mehr „unter die Erde“ zurück: in Hügel, Berge und Steine. In der schamanischen Arbeit begegnen wir ihnen vor allem in der sogenannten Unteren Welt – dem Reich von Mutter Erde, in dem Tiergeister, Pflanzenwesen und Elfenvölker miteinander verwoben sind. Die schottische Hexe Isobel Gowdie berichtete von ihren Reisen „in die Hügel“, zu den „Good People“, die wir auf dem Festland als Elfen kennen.

In Island weiß man bis heute, dass Elfen in Steinen wohnen. Vermutlich sind sie dorthin ausgewichen, als auf der Insel die Bäume ausstarben. Europäische Märchen kennen Zwerge als Bewohner der Berge, als Hüter der Metalle und Schmiedekünstler – auch sie zählen zu den Elfenvölkern und tragen oft ausgesprochen feenhafte Züge (auch wenn sie das selber sicher ganz anders sehen, mir fallen da immer Gimli und Legolas im Herrn der Ringe ein...).

Typisch für die Elfen ist deswegen ihre Nähe zum Menschen (gut: bis jetzt, das ändert sich leider): Sie sehen ihnen ähnlich, leben in Gemeinschaften mit Königen und Königinnen, tragen Gewänder und organisieren sich in Clans und Höfen. Und doch haben sie nie vergessen, dass ihre Ahnen Naturgeister waren. Das heilige Leuchten der Erde tragen sie weiterhin in sich – weshalb man sie „die Hellen“, „die Scheinenden“ oder „die Weißen“ nannte. Etymologisch gehen die Wörter Elfe und Elf tatsächlich auf Bezeichnungen für „die Leuchtenden“ zurück. Deswegen können sie auf die Weisheit der Natur zugreifen und diese den Menschen vermitteln. Diese Weisheit wäre heute dringend vonnöten.

Der Begriff Fee stammt aus dem Lateinischen fata, „Schicksalsgöttin“, und gelangte über das französische fée in unsere Märchen. Die in den französischen Märchen auftauchenden „Salonfeen“ haben mit den Naturkräften oft nur wenig zu tun – sie erinnern eher an Parzen oder Nornen. Aber das französische Wort féerie bezeichnet auch Zauberei und Illusion – eine Bedeutung, die später mit den germanischen Elfenvorstellungen verschmolz.

Die Elfen erinnerten die Menschen an den uralten Vertrag zwischen Mutter Erde und ihnen: Der Mensch soll alles Leben achten, nicht mehr nehmen, als er wirklich braucht, und für jede Gabe der Erde eine Gegengabe leisten. Schamanen und andere "Geisterleute", also Menschen, die noch zwischen der Geisterelt und der Menschenwelt vermitteln konnten (und können), wurden von den Elfen immer Wieder in diesen Bund eingeweiht. In vielen Feenmärchen – oft verzerrt und moralisiert – finden sich noch Bruchstücke dieses Vertrages: Wo jemand gierig nimmt, ohne Dank oder Respekt, folgt Unheil oder Verlust, nicht aus Strafe, sondern weil die Harmonie verletzt ist. Man denke an die heutige Zeit.

Denn mit der Industrialisierung wurde dieser Vertrag nahezu vollständig gebrochen. Die Geisterwelt wurde nicht mehr gehört und gesehen - angeblich verbrannte sie auf dem Scheiterhaufen, welchen diesmal nicht die Kleriker, sondern engstirnige Naturwissenschaftler (die Naturwissenschaft selber ist klasse - wenn sie ihre Grenzen anerkennt) errichteten – und die Elfen traten in den Hintergrund. Dennoch kam es immer wieder zu Begegnungen. Im viktorianischen England waren Feen und Elfen in der Zeremonialmagie sehr beliebt. Die Elfen, die in diesen Ritualen beschworen worden sind, tauchten übrigens beispielsweise in der Literatur Shakespeares auf. Auf dessem Anwesen fand man übrigens Pfeifen mit Spuren einer gewissen Pflanze, die als eine der ältesten Kulturpflanze der Menschheit bekannt ist. – Diese beiden Tatsachen kann man durchaus "schamagisch" (Schamanismus und Magie) deuten: Tranceinduktion mit bewusstseinsverändernden Pflanzen und Kommunikation mit Geistern. Das ist eine typische und in vielen Kulturen bekannte Trancetechnik. Diese Pfeifen waren kleiner und zierlicher als Tabakpfeifen, angeblich weil Tabak damals noch teurer war. Deswegen nannte man diese Pfeifchen "Elfenpfeifen".